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Hausarztversorgung in Gefahr

Walter Schnell

 

ROTH – Die Freien Wähler im Landkreis Roth sorgen sich um die Zukunft der ländlichen Hausarztversorgung. Dies wurde bei einem Gespräch zwischen dem FW-Kreisvorsitzenden und stv. Landrat Walter Schnell, dem Vorstandsmitglied des Bayerischen Hausärzteverbandes Dr. Jürgen Büttner aus Roth und dem Abenberger Facharzt für Allgemeinmedizin und FW-Stadtrat Dr. Stefan Singer in Kammerstein deutlich. Walter Schnell: „Der Hausarzt ist als zentrales Element der wohnortnahen Gesundheitsversorgung auf dem Land unverzichtbar. Die derzeitige Gesundheitspolitik spielt den Hausarzt offensichtlich an die Wand“.

 

Der Rother Hausarzt Dr. Jürgen Büttner erläuterte mit statistischen Zahlen die Altersentwicklung bei den Hausärzten in Bayern. Versorgungsengpässe gebe es bereits in Oberfranken und der Oberpfalz, Niederbayern und weitere ländliche Gebiete werden folgen. Auch die Entwicklung in Südfranken gebe Anlass zur Sorge.

 

Büttner und Singer äußerten die Enttäuschung der Hauärzteschaft über die jetzige Politik. Die schlechten Rahmenbedingungen führten bereits jetzt dazu, dass Hausarztpraxen kaum mehr Nachfolger fänden. Rund 20 % der Hausärzte in Bayern seien über 60 Jahre alt, in ganz Bayern sind nur knapp 800 Hausärztinnen oder Hausärzte unter 40 Jahre alt. Die Budgetierung führe dazu, dass die Ärzte trotz zunehmender Arbeitsbelastung immer weniger verdienten. Als besonders belastend empfinden die Hausärzte die ständige Bedrohung, mit ihrem erarbeiteten Honorar für ihre Verordnungen von Medikamenten und z. B. Krankengymnastik haften zu müssen.

 

Walter Schnell forderte, dass auch Hausbesuche bettlägeriger Patienten weiterhin möglich sein müssen. Der Hausarzt ist als Familienarzt Vertrauensperson und „Familienpsychologe“, der seine Patienten über Jahrzehnte ihres Lebens begleite und damit eine gesellschaftliche Funktion habe, die nicht in Euro und Cent messbar sei. Das Praxensterben führe zu immer längeren Anfahrtswegen, was bei chronischen Krankheiten mit Bettlägerigkeit die Versorgungssicherheit gefährden könne.

 

Die Freien Wähler fordern eine auskömmliche Honorierung der Ärzte. Der Wassermungenauer Hausarzt Dr. Stefan Singer hält die derzeitige Budgetierung und die derzeitige Honorierung in einem Punktesystem für ungeeignet, da damit der Arzt das Krankheitsrisiko trage. Die angekündigten Umstellungen dieses System seien ein Schwindel, solange die Honorarsumme „gedeckelt“ bleibe. Nach seiner Meinung ist eine bessere Verzahnung der hausärztlichen, fachärztlichen und stationären Behandlung nötig.

 

Ein weiterer wichtiger Baustein im gesundheitspolitischen Landkreisprogramm der Freien Wähler sind die kommunalen Krankenhäuser. Walter Schnell lobte dabei ausdrücklich die flexible, überaus engagierte und patientenorientierte Arbeit der Rother Kreisklinik. Dennoch sehe er auch Gefahren. Der zunehmende Privatisierungsdruck könnte dazu führen, dass die Gewinnorientierung vor der Versorgungsqualität steht. Eine solche Entwicklung würde zu Lasten der Patienten und Mitarbeiter gehen.

 

In Bayern gibt es derzeit rund 8.500 Hausärzte und 13.000 niedergelassene Fachärzte, erläuterte Dr. Jürgen Büttner. In weiten Kreisen herrsche große Unzufriedenheit mit der Politik der großen Parteien. Daher pflege man jetzt auch auf Landesebene Kontakt zu den Freien Wählern.

 

Die Gesprächsteilnehmer stellten am Ende eines sehr sachlichen und konstruktiven Gespräches viele gemeinsame Ziele fest. Man vereinbarte im Gespräch zu bleiben. Abschließend lud Walter Schnell auch Vertreter der Ärzteschaft ein auf den Listen der Freien Wähler zu kandidieren.